Die Genealogica – meine Gedanken im Nachgang

Nun ist es schon wieder einen Monat her, dass die Genealogica ihre Tore geschlossen hat. Wie die Zeit rennt!

Und ich benötigte eine Weile, um die Veranstaltung und auch die Erfahrungen und Eindrücke, die ich davor, währenddessen und danach gesammelt habe, sacken zu lassen und zu verarbeiten. Aber hier dann meine ganz persönlichen Gedanken im Nachgang.

Das wichtigste vorweg: ich bin wahnsinnig stolz darauf, was Anja Klein (Welt der Vorfahren) und ich hier (fast) im Alleingang auf die Beine gestellt haben. So eine Veranstaltung hat es in Deutschland vorher noch nie gegeben und ich freue mich, dass wir einen Standard gesetzt und gezeigt haben, wie virtuelle Veranstaltungen möglich sind.

Rückblick Genealogica by Barbara Schmidt

Wie alles begann

Beruflich kümmere ich mich um Interne Kommunikation und interne soziale Medien und organisiere auch Veranstaltungen für Mitarbeiter. Alle mit dem Schwerpunkt „voneinander lernen“ oder „vernetzen“. Und mir spukte schon länger der Gedanke im Kopf herum, dass man auch genealogische Veranstaltungen doch anders machen könne. Der erste Versuch war die AhnenforschBAR, das Barcamp für Ahnenforscher*innen, dass ich für das letzte Jahr geplant hatte.

Und dann kam Corona – wohl der Satz des Jahre 2020!

Präsenzveranstaltungen wurden eine nach der anderen abgesagt. Auch die Premiere der AhnenforschBAR ist der Pandemie zum Opfer gefallen. In meinem Unternehmen sind wir schnell den Weg der virtuellen Veranstaltungen gegangen. Unser internes Barcamp, dass ich z.B. mitorganisiere, wurde also flugs auf eine digitale Plattform gehoben. Und zwar auf Skype – ja, das funktioniert!

Und mehr und mehr wuchs der Gedanke, dass so etwas doch auch für uns Genealog*innen möglich sein muss. Der Gedanke liess mich zwar nicht los, aber so richtig gehandelt habe ich nicht dementsprechend.

Und wie ist es dann dazu gekommen, dass Anja und ich gemeinsam die Genealogica veranstaltet haben?

Wir zwei folgen einander schon länger über die sozialen Netzwerke, trafen uns auf genealogischen Veranstaltungen wie dem Genealogentag oder auch der RootsTech in London. Und wir merkten schon schnell, dass wir ähnlich ticken, wenn es um „das muss doch auch anders funktionieren“ geht. Ich hatte ihr auch von meiner AhnenforschBAR Idee erzählt und sie war begeistert. Und eines Tages bekam ich von ihr eine Nachricht „Barbara, was hältst Du davon …?“

Anja hat es in ihrer Nachlese schon gut beschrieben. Uns war der persönliche Austausch wichtig, das Zusammenstehen auf der Messe. Der Klönschnack an der Kaffeetheke. Mir fehlte das unglaublich. Und deswegen waren wir uns auch schnell einig, dass es nicht nur ein Zoom-Tag mit Vorträgen sein soll. Wir wollten das Konferenzgefühl transportieren. Das alljährliche Klassentreffen.

Und etwas anderes war mir auch wichtig (Anja hat es auch schon beschrieben): es sollte KEINE kostenlose Veranstaltung sein.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Qualität und Arbeit kosten Geld, ich wollte keine Konferenztouristen, die sich anmelden, aber nicht kommen und für mich hat ein finanzieller Beitrag auch etwas mit Wertschätzung der Aussteller, Partner, Referent und Organisatoren – und *innen zu tun.

Und schon waren bei mir offene Türen eingerannt. Ich war sofort Feuer und Flamme und wir beiden stürzten uns in die Vorbereitung.

Stürzen ist das richtige Wort!

Wir sind beides Typen, die einfach machen. Also legten wir los. Im Nachhinein habe ich mir so oft gesagt „Barbara, vorher nachdenken hätte sehr geholfen“ 🙂

Aber so ist es bei mir manchmal, wenn ich so begeistert bin, dann schwirren mir so viele Ideen im Kopf herum, dass ich erst hinterher zum Sortieren komme.

Und das haben wir dann auch gemacht. Es hat sich ziemlich schnell herausgestellt, wo wer von uns die Kernkompetenz hat. Anja ist nunmal der Techie von uns zwei, also hat sie sich mit allem beschäftigt, was die Plattform, die technische Anbindung an andere Systeme wie den Ticketverkauf und die Aussteller angeht.

Sie hat in ihrer Nachlese schon sehr gut beschrieben, wie das gelaufen ist, wieviel Zeit und Energie die Details gekostet haben. Aber auch wie verwundert wir beide über mangelnden Rücklauf besonders durch die Vereinslandschaft waren. Und nicht nur das, es wurden dann Gespräche auch schon mal mitten in der Email Kommunikation ohne ein weiteres Wort abgebrochen. Was ich als äusserst respektlos empfinde. Ich drehe mich doch in einem „echten“ Gespräch auch nicht einfach wortlos um und lasse meinen Gegenüber stehen.

Aber das nur als kurzer Ausflug in den Bereich „Etikette“.

Arbeitsteilung ist alles!

Ich habe also das übernommen, in dem ich gut bin: Menschen, Kommunikation und Marketing.

Ich habe also mit den Partnern gesprochen, vielen Dank an Archion, Heredis, MyHeritage, Ancestry und FamilySearch für das Vertrauen in uns und unsere Idee. Ich habe auch dort eine große Begeisterung gespürt, neue Wege zu gehen.

Zudem war mir ein diverses Vortragsprogramm wichtig. Mal andere Themen, mal andere Referent*innen. Nicht nur die üblichen Verdächtigen, die man immer wieder sieht.

Selbstverständlich habe ich erstmal „meine Spezies“ angeschrieben. Timo Kracke alias „Der Genealoge“ war da z.B. ganz weit vorne. Warum? Weil ich weiss, dass Timo für Experimente zu haben ist und ganz ehrlich? Auch für jemanden, der beruflich Veranstaltungen organisiert, ist es beruhigend, wenn man den ersten Programmpunkt auf der Agenda hat. Timo war also mein „Wohlfühlfaktor“. Vielen Dank dafür!

Aber wie gesagt, ich war auf der Suche nach etwas Neuem. Und dann zahlte sich aus, so gut vernetzt zu sein. Ich fragte in meinem Netzwerk nach, z.B. dem Berufsverband Information Bibliothek, ob die über uns berichten könnten. Haben sie und noch besser, da sind gleich zwei Vorträge draus geworden.

Oder ich schaute mich in den sozialen Netzwerken um, wer da so mit welchen genealogischen oder verwandten Themen vertreten ist. Und da kenne ich ja nichts, ich habe einige höflich angeschrieben, erklärt, was wir vorhaben und gefragt, ob sie sich eine Beteiligung vorstellen könnten.

Zu Beginn war viel Erklärarbeit nötig. Ganz logisch, denn es war ja ganz neu. Meine Liste der Erkenntnisse, wie man es das nächste Mal besser machen könnte, wuchs und wuchs mit jedem zweiten Gespräch.

Und auch über diesen Weg fanden ein paar tolle Vorträge den Weg auf unsere Agenda. Und dann passierte das, war mir eigentlich am liebsten ist. Die Leute kontaktierten uns und boten uns Vorträge an. Der Zuspruch war so groß, dass ich wirklich anfangen musste, Vorträge abzulehnen. Es tat mir in der Seele weh, aber es waren einfach zu viele. Wir wollten eigentlich nur den Sonnabend als Vortragstag haben, sind dann aber auf den Sonntag mit ausgewichen, um nicht zu viele Vorträge gleichzeitig laufen zu lassen.

Was sagen andere?

Jetzt habe ich Euch lange meine Gefühlswelt und meine Treiber zu der Genealogica erzählt. Aber was haben andere dazu zu sagen?

Im Rahmen der Organisation haben wir viel Skepsis entgegen gebracht bekommen. Viele haben gesagt „das klappt sowieso nicht“. Auch wurde bemängelt, wir hätten ja noch gar kein Programm, als wir mit der Webseite live gegangen sind. Auch Aussteller wären noch Mangelware. Ja, das ist leider so – das ist die Frage von Henne und Ei. Damit kann ich leben.

Wo es schon kritischer wurde: uns wurde von vereinzelten Stimmen vorgeworfen, unseriös zu sein. Weil wir Geld für diese Veranstaltung nehmen. Oder weil wir bei der Facebook Veranstaltung (die eine reine Werbefläche war), die Option „kostenlos“ anklicken mussten, weil wir Facebook nicht als Ticketherausgeber nutzen wollten. Das ist eine Änderung der AGB bei Facebook, mit der wir gar nichts zu tun haben.

Und obwohl wir überall deutlich gemacht haben, dass es eine kostenpflichtige Veranstaltung ist, wurde dieser kleine Haken genutzt, um sich auszulassen.

Während der Veranstaltung kamen dann die üblichen Dinge: von „das funktioniert hier nicht“ über „ich komme nicht rein“ bis hin zu „technischer Scheiß, reine Geldverschwendung“.

Natürlich gab es den einen oder anderen technischen Schluckauf. Es hätte mich wirklich gewundert, wenn es den nicht gegeben hätte. Es gab bei einigen Besucher*innen z.B. Schwierigkeiten, in die Plauderecke zu kommen. Für die nutzten wir Wonder.me – ein noch recht unbekannter Anbieter, der aber ein tolles Konzept hat, welches ich gerne unterstütze.

Und da alle unsere Lösungen browserbasiert waren, gibt es so viele Möglichkeiten, warum man auf manche Dinge keinen Zugriff hatte.

Am Sonntag Morgen um 5 Uhr waren die ersten Leute im Chat und beschwerten sich, dass die Vorträge von Sonnabend noch nicht online wäre.

Und danach? Es wurde über blinkende Kreise gemeckert, warum man die Menüpunkte nicht mit Bannern anzeigen könnte. Oder auch darüber, dass man nicht einfach vom Vortragsraum auf die Messe zurück geglangen konnte (Achtung Spoiler: konnte man). Oder Oder Oder..

Warum ich bis hierhin nur negatives Feedback eingebaut habe? Weil diejenigen, die etwas zu mecken finden, nunmal am lautesten schreien. Und weil ich mir bei solchem Feedback immer vor Augen halten muss, dass manche Menschen einfach IMMER etwas finden. IMMER! Da kann man sich Mühe geben, wie man möchte.

Aber ich gebe zu, der Vorwurf der Unseriösität hat mich persönlich hart getroffen.

ABER

Und jetzt kommt das große Aber – der Großteil des Feedbacks war begeistert und begeistend. Das ganze verbunden mit viel Dank und Lob für uns als Organisatorinnen. Besonders die Virtualität hat die Besucher*innen überwältigt und diesem Zusammenhang durchweg positiv. Viele hätten eine Veranstaltung wie die Genealogica nicht besuchen können, wenn sie nicht online stattgefunden hätte.

Auch von Ausstellern kam zum Großteil die positive Rückmeldung. Auch wenn einige, mit ihren Ständen zu kämpfen hatten. Aber was da am Ende an Kreativität und Inhalt angeboten wurde, hat mich teilweise sprachlos gemacht.

Und jetzt oute ich mich mal.. bei all der Arbeit mit der Organisation der Genealogica (mit normalem Job waren das teilweise 15-Stunden-Tage) stand ich einen Tag vor der Eröffnung ohne Stand da! Ja, ich gebe es zu – ich habe geschludert und war schon kurz davor, meinen Stand zu löschen.

Vielen Dank an Melanie Lanz von jugend-forscher.de, dass sie mir meinen Stand gebaut hat!!

Fazit

Mein Fazit? Es hat sich alles gelohnt! Ich fand die Veranstaltung großartig. Hätten einige Dinge besser laufen können? Aber selbstverständlich. Und es wäre ja auch schlimm, wenn nicht – dann hätten wir ja nichts mehr, worauf wir hin arbeiten müssten.

Wenn es nach mir geht, gibt es auch in 2022 eine Genealogica. Dieses Mal dann ohne hineinstürzen sondern mit klaren Strukturen und Vorgaben. Das geht bei Fristen los und endet mit Referentenvereinbarungen 🙂

Und dann sind es bestimmt auch keine 15-Stunden-Tage mehr.

Und bei Anja könnt Ihr Euch auch in den Newsletter für alle Infos rund um Genealogica 2022 eintragen

Seid Ihr dabei gewesen? Wie ist Euer Fazit?

Und hier noch eine Sammlung von Beiträgen rund um die Genealogica

Virtuelle genealogische Messe GENEALOGICA – ein Traum wurde wahr! – Ahnenforscher Stammtisch Unna

Virtual genealogical German fair GENEALOGICA – a dream came true! – Ahnenforscher Stammtisch Unna

Genealogica 2021 – Mein persönlicher Rückblick

Über den Tellerrand geschaut – ein Besuch auf der Genealogica 2021 – Tania Estler-Ziegler

Über den Tellerrand – als Bibliothekarin bei der Genealogica – Liane Haensch

Genealogica, die erste deutsche digitale Genealogiemesse, war erfolgreich – Verein für Computergenealogie

Genealogica 2021 – Hessische familiengeschichtliche Vereinigung e.V.

Mein Eindruck von “außerhalb” – Die Genealogica 2021 – Pommerscher Greif e.V.

Andrea Bentschneiders Vortrag zu „Ahnenforschung als Broterwerb“ auf der Genealogica noch bis Freitag ansehen – Beyond History

Nachlese Genealogica – Dirk Böttcher / Ahnenblatt

Der Countdown läuft – In zwei Tagen startet die Genealogica! – MyHeritage

Genealogica – die Online-Konferenz für Familienforscher – MyHeritage

Die Genealogica 2021 – meine Nachlese – Welt der Vorfahren

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