Ein Unternehmensarchiv wird zum nationalen Kulturgut

Anfang der Woche kam die gute Nachricht: Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat dem Antrag des Historischen Instituts der Deutschen Bank stattgegeben und Teile deren Archivbestandes in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen.

Die Hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn begründete das folgendermaßen:

„Die Dokumente ermöglichen einen umfassenden Einblick in die fast hundertfünfzigjährige Geschichte eines der wichtigsten Bankinstitute der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Vorgängerstaaten“

Als national wertvolles Kulturgut unterstehen die Bestände des Instituts nun besonderem Schutz, zum Beispiel vor Zerstörung, Beschädiung und Verlagerung ins Ausland.

Ein Blick ins Archiv 

IMG_0599

Ich selbst hatte schon das Glück, mich im Archiv des Instituts umzusehen. Als Mitglied der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank e.V. (der Verein steht übrigens jedem offen) habe ich mittlerweile mehrere Male an einer beeindruckenden Führung teilgenommen.

Und wie man an meinem Gesicht sieht, ist dieser Ort einer meiner Lieblingsplätze in der Bank

 

Hier mal ein Blick in die Regale im Erdgeschoß des Archivs. Diese beinhalten neben Kreditakten und Geschäftsabschlüsse von Kunden auch Kontobücher. Sehr beklemmend war zu sehen, wie genau die Enteignung von jüdischen Geschäftsleuten während der NS-Zeit darin dokumentiert werden musste. Man findet in Archiven eben nicht nur positive Dinge. Aber das weiß mittlerweile jede*r von uns.

 

 

Archiv DB 1Auf dem rechten, eher unspektakulärem Bild sieht man, wie die „Schätze“ der Bank verstaut sind. Fein säuberlich in Archivkartons, locker gebunden. Kein Kleber, keine Klammern, nichts getackert. Bloß kein Metall!

Diese Unterlagen werden im Keller unter kontrollierten Bedingungen bezüglich Temperatur und Luftfeuchtigkeit archiviert.

Und sie werden nur zu besonderen Anlässen rausgeholt.

IMG_0607

Und selbstverständlich waren wir ein besonderer Anlaß.

Wie man sieht, stimmt der Archivar bei der Frage „Handschuhe oder nicht“ mit mir überein. 🙂

Dort durften wir uns so spannende Dokumente wie Briefe von Edison oder Adenauer ansehen. Oder die Gründungsdokumente der Deutschen Bank. Es war wirklich beeindruckend.

Oder so wie hier Korrespondenz zwischen den Gründern der Bank.

Insgesamt beinhaltet das Archiv sechs Regalkilometer voller spannender Unterlagen und Korrespondenzen.

Viel zu bieten

Aber da ich ja nunmal Familienforscher bin, war noch viel mehr daran interessiert, wie so ein Unternehmensarchiv uns Genealogen bei unserer Arbeit unterstützen kann.

Und da hat das Archiv der Deutschen Bank eine Menge zu bieten. Denn dort lagern nicht nur Unterlagen zur Gründung oder Aktienemission, sondern zum Beispiel auch

  • Personalakten der Zentrale ab 1870
  • Nachlaßakten
  • Kreditakten
  • Dokumente über die Enteignung jüdischer Geschäftsleute während der NS-Zeit
  • und einiges mehr

Die Personalakten können vielfältige Dokumente und Informationen enthalten. Dinge wie Arbeitsverträge, Beurteilungsbögen, Personalbögen (inkl. Informationen über Ehepartner und Kinder), Berechnungen von Betriebsrenten, Abgangszeugnisse, Einberufungen zum Militärdienst und Feldpostbriefe.

Wie oben beschrieben handelt es sich dabei hauptsächlich um Personalakten der Zentrale, Treffer in der Fläche sind eher selten.

Aber auch bezüglich ausländischer Niederlassungen kann man Glück haben und bei wichtigen Persönlichkeiten der Bank sowieso.

Die Feldpostbriefe des 1. Weltkrieges zwischen der Deutschen Bank und ihren Mitarbeitern im Feld stellen eine besondere Quelle dar.

Die Historische Gesellschaft hat im Jahr 2014  zum 100jährigen Jubiläum des Ausbruchs des 1. Weltkrieges einen hervorragenden „Rundbrief“ veröffentlicht.

Titel: „Die Angestellten der Deutschen Bank im Ersten Weltkrieg“

Auch Projekte, die die Bank mit finanziert hat, sind besonders gut in Fallakten dokumentiert. Wie zum Beispiel zum Bau der Bagdad-Bahn. Sollte ein Vorfahr also an diesem Projekt mitgearbeitet haben, ist die Chance groß, etwas über ihn herausfinden zu können.

Zugriff auf das Archiv

Das Archiv des Historischen Instituts ist nicht öffentlich zugänglich, allerdings sind es die Unterlagen.

Bei berechtigtem Interesse kann man eine Anfrage an das Institut stellen. Und wie bei allen Archivanfragen sollte man alle Informationen beifügen, die bereits vorliegen, um es den Mitarbeiten so einfach wie mögllich zu machen, treffende Unterlagen herauszusuchen.

Sollten Treffer erzielt werden, werden diese in den Räumen des Instituts zur Einsicht bereit gestellt.

Sämtliche Kontaktdaten und weitere Informationen über die Historische Gesellschaft als e.V. und das Historische Institut finden sich unter www.bankgeschichte.de

Dort findet sich auch eine Übersicht der Publikationen, inklusive der als PDF frei verfügbaren Rundbriefe.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem ersten Beitrag über ein Unternehmensarchiv eine neue Quelle für uns Genealogen vorstellen.

Welches Unternehmen würde Euch noch interessieren?

Ich muss mich unbedingt mit der Deutschen Bahn beschäftigen, denn dort und bei den Vorgängerunternehmen war eine Vielzahl MEINER Vorfahren beschäftigt (ich inklusive :))

 

Quellen:

  1. Deutsche Bank (https://www.db.com/newsroom_news/2019/national-wertvolles-kulturgut-das-archiv-der-deutschen-bank-de-11605.htm (abgerufen am 10.10.2019))
  2. Datenbank geschützter Kulturgüter (http://www.kulturgutschutz-deutschland.de/DE/3_Datenbank/dbgeschuetzterkulturgueter_node.html;jsessionid=D1E1643B0A41688A84C13A02ED45AEB6.1_cid322 (abgerufen am 10.10.2019))
  3. Welt (https://www.welt.de/newsticker/news1/article201528318/Regierung-Hessen-erklaert-Firmenarchiv-der-Deutschen-Bank-zum-national-wertvollen-Kulturgut.html (abgerufen am 10.10.2019)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.