RootsTech, die DNA-Genealogie und Ich

Nun ist die RootsTech in London schon wieder eine Woche her. Ich hatte Euch in meinen abendlichen Blogposts ja bereits meine täglichen Eindrücke geschildert. Meine Gedanken ungefiltert und nur ein bißchen sortiert:

Aber schon in meinem Beitrag vom dritten Tag hatte ich angedeutet, dass ich mir zwei  Themen genauer vornehmen würde. Und hier sind wir mit dem ersten.

Es geht um DNA-Genealogie

Dieser Blogpost ist zweigeteilt, es wird darum gehen,  wie unterschiedlich man die DNA Genealogie als Werkzeug transportieren kann. Wie einfach es sein kann, Menschen dafür zu interessieren und ihnen erst die Grundzüge und später dann die Details beizubringen.

Und dann erzähle ich Euch von meinen eigenen Erfahrungen. Und wer bis zum Ende durchhält, für den halte ich eine kleine Überraschung bereit.

Ich fand es großartig zu sehen, wie dieses Thema auf der RootsTech angegangen wurde. Und zwar von Vorträgen und Workshops über kurze Einsichten an den Ständen der Aussteller bis hin zum „DNA Basics Learning Centre“, in dem verschiedene Anbieter und Referenten sich wirklich um die Grundlagen der DNA Genealogie kümmerten.

Der Zugang war extrem niedrigschwellig.

Einführungen waren wirklich Einführungen. Es ging dabei mehr um die Möglichkeiten der DNA Genealogie als um biologische Abhandlungen. Denn so fühle ich mich manchmal in Vorträgen hier bei uns in Deutschland. Es wird wahnsinnig viel an der biologischen Herleitung gearbeitet, bis man dann endlich (wenn überhaupt) zum Genealogie Teil kommt. Bei uns wird gefühlt immer gleich an der Perfektion gearbeitet, anstatt erstmal das Interesse zu wecken und die Genealogen dann mit kleinen, verdaulichen Stücken zu füttern.

Eine Einführung bei der RootsTech fing ungefähr so an. 

„DNA wird von den Eltern auf die Kinder weitergegeben, und zwar jeweils zu 50%. Plusminus ein paar Prozentpunkte. Die 50% sind – bis auf bei eineiigen Zwillingen – immer unterschiedlich, deswegen tragen Geschwister gleicher Eltern auch unterschiedliche DNA in sich. Auch die Eltern bekamen die DNA ihrer Eltern und die wieder von ihren Eltern und so weiter. Und auch dort immer zufällige 50%. Und deswegen gleicht kein Ei dem anderen“

Punkt bis hier hin. Dann wurden die unterschiedlichen Arten von Tests angesprochen und wie die einem in der Forschung helfen können. (Autosomal, mtDNA und Y-DNA).

Damit gingen die Teilnehmer nach knapp 45 Minuten erstmal mit wirklich nur den Grundinfos raus. Es gab keinen Zahlentabellen und kaum Grafiken.

„DNA is just DNA“ – Shannon Christmas

Es ging immer darum, dass die DNA eine Hilfestellung bei der Genealogie ist. Sie wird die „klassische“ Familienforschung nicht ablösen, sie wird helfen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Nochmal und nochmal und nochmal

Wenn man sich den Vortragsplan der RootsTech ansieht (den findet man übrigens inkl. Handouts hier: RootsTech Schedule), dann wird man sehr schnell erkennen, dass sich Themen wiederholten. Man mag sich fragen „was denn, nochmal die Basics?“ oder „noch eine Einführung?“

Ja!

Denn beim Lernen geht es um Wiederholung und Visualisierung. Und man muss den Lernenden auch Zeit und Muße geben, um das gerade aufgenommene zu verdauen. Man sollte ihnen nicht den gesamten Stoff der DNA Genealogie in einem Workshop oder Webinar einfach vor die Füße kippen und dann meinen, damit hätte man doch alles getan. Das verwirrt und frustriert und damit ist man das gerade geweckte Interesse auch gleich wieder los.

Also gab es verschiedene Referenten und verschiedene Lokationen. Manche im großen Auditorium (die wurden gefilmt und gestreamt), manche in kleineren Räumen, in denen man näher dran war und auch besser Fragen stellen konnte.

Es gab verschiedene Anbieter, die ihre Produkte und Tests vorstellten – und das ganze, ohne, dass eine Verkaufsveranstaltung daraus wurde.

Geschichten erzählen

Die verschiedenen Ansatzpunkte und Einsatzmöglichkeiten der DNA Genealogie wurden durch Geschichten erzählt. Oder nennt es meinetwegen etwas „wissenschaftlicher“ auch Fallbeispiele.

Ich nehme mal als Beispiel den Vortrag „Power of Siblings“. Der Vater der Referentin starb sehr früh, hatte aber fünf leibliche Brüder, die sich alle für einen DNA Test zur Verfügung stellten. Anhand derer Ergebnisse (und ja, sie hatten alle zugestimmt und nein, es wurden keine echten Namen verwendet) hat sie hervorragend aufgezeigt, wie unterschiedlich die verschiedenen Anbieter testen aber auch wie unterschiedlich die DNA von fünf leiblichen Brüdern sein kann. Ihr erinnert Euch? Zufällige 50% 🙂

Hilfsmittel

Begeistert war ich von den Vorträgen rund um die Tools und Hilfsmittel, die sich mittlerweile auf dem Markt befinden. Ich habe Shannon Christmas (ja, der heisst wirklich so) oben schon zitiert: DNA is just DNA. Er zeigte uns, wie man am besten mit gedmatch.com umgeht. Oder Johnny Perl, der den DNA Painter vorstellte. Ich wollte sofort nach Hause fahren und all das ausprobieren, was er da vorstellte.

Kleine Anekdote am Rande: Johnny saß bei „Power of Siblings“ im Publikum und wurde von der Referentin mit einem Freud’schen Versprecher doch tatsächlich als Johnny Painter bezeichnet – der sorgte für großes Gelächter 🙂

Dazu dann die kleinen Tricks und Tipps bei den Anbietern wie Ancestry oder LivingDNA.

Seitdem ich gesehen habe, wie Crista Cowan von Ancestry ihre DNA Matches ordnet und sortiert, habe ich das schamlos kopiert. Wer den youtube Channel von Ancestry noch nicht kennt, auf dem sie als „Barefoot Genealogist“ referiert und für den Englisch kein Problem darstellt, sollte das sofort nachholen!

Ihr seht, die Spannbreite, sich mit dem Thema DNA Genealogie zu beschäftigen, war riesengroß. Vom puren Anfänger bis hin zu fast Profis. Und genauso waren die Vorträge / Workshops auch eingeteilt und bezeichnet. Das heisst, die Gefahr für mich, in einem Profivortrag zu landen, war äusserst gering. Ich trieb mich bei den Anfängern und den leicht Fortgeschrittenen rum, denn ich habe den Test zwar schon lange gemacht, aber mich wenig damit beschäftigt. Und als jemand, der sein Geld damit verdient (also mein Tagesjob), Wissen zu transportieren und zu vermitteln, bin ich immer neugierig, wie andere das  wohl machen.

Willkommenskultur

Ich möchte Euch noch eine kleine Anekdote erzählen, bevor ich zu meinen eigenen Erfahrungen mit der DNA Genealogie komme.

Ich saß in dem Raum, in dem gleich der Vortrag zum Thema „Gedmatch“ stattfinden sollte. Ein paar Plätze links von mir am Rand (dazwischen war alles frei) saß eine ältere Dame. Sie war bestimmt in ihren Siebzigern. Vor ihr saßen zwei Frauen wohl so um die Fünfzig. Ich hörte die Dame neben mir die beiden Frauen vor ihr fragen (alles locker aus dem Englischen übersetzt) „Kennen Sie dieses gedmatch und nutzen Sie das? Was kann man damit alles machen?“

Ich dachte erst irgendwie „ähem, darum geht’s doch gleich in dem Vortrag“ und war etwas verwirrt.

Und dann fand ich es so toll und ja auch irgendwie zuckersüß, wie die beiden Fünfziger der Siebzigerin in den noch ca 8-10 Minuten, bis der Vortrag anfing, erklärten, was denn „dieses Gedmatch“ überhaupt ist und was man damit machen kann und wie man anfängt und wie sie es nutzen. Dabei zückten sie ihre Smartphones und Tablets und zeigten ihr, wie sie sich einloggt etc. etc.

Der Hintergrund war folgender: die ältere Dame hatte sich überzeugen lassen, einen DNA Test zu machen, und irgendjemand hatte ihr gesagt, das gedmatch ein tolles Tool sei und sie ihre Daten unbedingt dort hochladen sollte. Das hat sie dann auch gemacht und nun saß sie da. Und so ging also zur RootsTech und hat sich alles an DNA Vorträgen angeguckt, was sie bekommen konnte und schrieb alles mit, um irgendwie die Hände um das Thema zu kriegen. Sie fing wirklich bei Null an und puzzelte sich jetzt alles zusammen. Sie stellte Fragen und bekam Antworten. Sie bat um Hilfe und bekam sie.

Bitte keine Diskussionen um Datenchutz, Konsenz etc. – Darum geht es hier nicht.

Bei dieser kleinen Geschichte geht es um Willkommenskultur, von der wir noch so einiges lernen können. Der Ton, der sich bei uns in manchen Mailinglisten, Foren, FB Gruppen (da nehme ich die DNA Genealogie auf deutsch ausdrücklich von aus) und Veranstaltungen herrscht, spottet jeder Beschreibung. Einladend ist das nicht!

Meine Erfahrungen mit der DNA Genealogie

Kommen wir mal zu meinen Erfahrungen mit der DNA Genealogie. Ich machte meinen Test auf der RootsTech in den USA im Jahr 2017. Und auch nur, weil ich als Deutsche dort förmlich angefleht wurde, weil dringend mehr deutsche Daten im Pool benötigt wurden.

Also von Forschern angefleht 🙂

Im Ernst? Die Herkunftsschätzung fand ich ein nettes Gimmick (und tue das noch heute), da war nichts überraschendes dabei – kein Südpazifik oder Antarktika. Der Test bestätigte meine eigene Papierforschung. Und auch die Matches zeigten, dass meine ausgewanderte USA Linie auch wirklich zu meinem Urgroßvater gehörte.

Für MICH PERSÖNLICH war das eher Spielkram, ich verstand aber, dass Forscher aus Einwanderungsländern wie USA oder Australien da einen anderen Blickwinkel drauf hatten.

Und ausserdem hatte ich wenig Ahnung davon und die vorhandenen Hilfsmittel und „Lehrmaterialien“ waren nicht wirklich der Hit.

Ich legte das also beiseite und guckte nur rein, wenn es mal wieder ein Update von Ancestry gab.

Die Zeit verging, ich forschte klassisch weiter und entdeckte weitere Auswandererlinien. Dieses Mal nach Australien. Ich traf mich sogar mit einem Nachfahren auf seiner Europareise. Und Stück für Stück fing ich dann an, mich dem Thema DNA anzunähern – und ich bin noch immer weit weg davon! 🙂

Ich konnte meine Eltern überzeugen, sich testen zu lassen. Und kaum waren die Ergebnisse da und man konnte Tortendiagramme sehen statt Listen und Tabellen (überspitzt ausgedrückt – aber nur ein wenig), waren auf einmal auch meine Schwester und ihre Kinder interessiert. Ist ja nicht so, dass ich seit 20 Jahren versuche, sie dafür zu interessieren – Nein.. man muss nur in ein Röhrchen spucken! 😉

Mein Neffe ist Naturwissenschaftler und hat mir beim Adventskaffee sooooo eine Abhandlung über DNA gehalten und ich habe ungefähr einen mü davon verstanden. Aber auf alle Fälle wollten die Drei, also meine (Halb-)schwester und ihre beiden Kinder (beide groß und erwachsen und auch Halbgeschwister) jetzt auch einen Test haben. Und plötzlich stecke in der Forschung nach drei neuen Familien fest.

Und an der Ecke kommt jetzt mein erwachtes Interesse an DNA Genealogie ins Spiel. Ich habe kaum bis keine Information über die jeweiligen Väter. Entweder sind sie tot, wie bei meiner Schwester und sie weiß kaum etwas. Das bißchen, was ich eintragen konnte, weiß ich von meiner Mutter. Oder wie im Falle meiner Nichte und meines Neffen, sind die Väter nicht existent oder nicht wirklich auskunftsfreudig, weil er auch nicht mit seiner Familie spricht. Manchmal wünschte ich mir, Menschen würden für uns Familienforscher mal ihre persönlichen Befindlichkeiten ausschalten -man kann sich ja danach weiterstreiten 🙂

Es geht also um offene Fragen. Und um das Geschichten erzählen. Deswegen bin ich auch eher eine Familien- statt einer Ahnenforscherin. Icb bin schon seit jeher auf der Suche nach Nachfahren. Wie soll ich denn sonst an die ganzen Familiengerüchte kommen?

DNA 2.0

Und da in den letzten Jahren der Forschung auch immer mehr Fragen dazu gekommen sind, habe ich mich jetzt für den nächsten Schritt entschieden. DNA 2.0 sozusagen. Ich habe auf der RootsTech einen mtDNA Test gemacht. Denn es gibt da die unbekannte Mutter der Mutter meiner Mutter. Da muss es doch etwas herauszufinden geben.  Da sind bestimmt noch so viele Geschichten zu erzählen.

Gewinnspiel

WERBUNG – Ich sagte ja bereits, wer bis hierhin durchhält, für den / die halte ich eine kleine Überraschung bereit.

Wer auch die Geschichten der eigenen Familie erzählen möchte, für den kann ich in Kooperation mit Ancestry hier einen DNA Test verlosen.

DE-DNA Kit-Box-Angled-Origins-HighRes

Bitte beachtet aber das Folgende: um den Test nutzen zu können, muss man ein eigenes Konto bei Ancestry haben bzw. einrichten.

Auch macht es nur Sinn, wenn man bereits einen Stammbaum hat, den man hochlädt oder wenn man einen erstellt. Nur der Test an sich, ohne Daten dazu, ist nicht besonders hilfreich.

Weder für Euch noch für uns als Rest der Forschergemeinde 🙂

Wer also dabei sein möchte, füllt einfach das Formular unten aus und klickt auf „absenden“.

Das Los wird entscheiden, wer gewinnt. Und Superanton.de wird mir dabei helfen.

Das Gewinnspiel läuft bis zum 08. November 2019 20 Uhr!

 

 

 

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Ein Gedanke zu “RootsTech, die DNA-Genealogie und Ich

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