Schlüsselmomente Ahnenforschung – Wie ging es eigentlich los?

Lars Thiele, der Archivbegleiter hat auf seinem Blog eine Blogparade gestartet. Dabei geht es um den Schlüsselmoment für unsere Ahnenforschung.

Wie sind wir dazu gekommen? Was hat uns nicht mehr losgelassen?

Und ich folge diesem Aufruf natürlich gerne. Und gleichzeitig hat er mich zum Nachdenken gebracht.

Dieser eine Moment?

Denn eigentlich gibt es ihn gar nicht, diesen EINEN Schlüsselmoment. Wenn ich mich zurück entsinne, kann ich wirklich nicht sagen, welche Erinnerung oder welche Geschichte mich genau zur Ahnenforschung gebracht hat.

Was ich allerdings nie vergessen werde, ist auf Familienfesten wie Geburtstagen (wir wurden ja überall mit hingeschleppt), Hochzeiten oder Beerdigungen das ewige „Tante und Onkel sowieso“. Da war von Leuten die Rede, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Und ich habe sie immer durcheinander gebracht. Denn nein, Onkel Kalli war nicht mit Tante Renate verheiratet.. Onkel Kalli war der Onkel von Tante Renate!

Hää? Ja, genauso habe ich auch meistens geguckt. Es war ja damals so üblich, dass jede ältere Generation mit „Tante“ oder „Onkel“ bezeichnet wurde.

Kleiner Exkurs: Das ist übrigens eine Unart, die ich heute jedem austreiben möchte. Tante und Onkel sind Vertrauenspersonen. Bringt doch den Kindern nicht bei, wildfremde Menschen als „Onkel“ zu bezeichnen.

Aber zurück zu den Tanten und Onkeln in meiner Familie. Es sind einfach zu viele, denn es sind ja nicht nur die Geschwister meiner Eltern, sondern auch die Geschwister meiner Großeltern… und deren Kinder, die auch so bezeichnet wurden.

Das ist ja kein Wunder, dass man dabei mal den Überblick verliert. Wie soll man als Kind da auf dem Laufenden bleiben? Also wurde immer wieder nachgefragt „wer gehört zu wem“. So ging das ein paar Jahre, denn diese entferntere Verwandtschaft sah man ja (leider) nicht so häufig. „Leider“ sage ich aus heutiger Sicht.

„Schreib’s Dir auf“

Und so ging es auf jeder Feier von vorne los. Und irgendwann sehr viel später, habe ich dann mal angefangen, es einfach aufzuschreiben. Mir zu notieren, wer hier zu wem gehört. Das war übrigens ein Tipp meines Vaters, als ich verzweifelt bin, bei dem Versuch, „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann zu lesen. Da werden einem in den ersten Kapiteln so viele Namen um die Ohren geschleudert, das man verzweifelt. Also der Tipp: „Schreib’s dir auf“.

Und von da ging es dann weiter. Die Geburtsurkunden meiner Großeltern waren die ersten, die ich mir vom Lübecker Standesamt bestellt habe. Für viel Geld. Damals 50 DM! Großer Anfängerfehler. Vielleicht erstmal mit meiner Oma, die damals noch am Leben war, reden, wäre viel einfacher gewesen.

Auch eine etwas strukturiertere Vorgehensweise wäre definitiv von Vorteil gewesen. Aber woher soll man das wissen, wenn man loslegt? Es gab damals definitiv noch nicht so viel Literatur und Zugang zu Tipps & Tricks wie heutzutage.

Aber so ist man halt zu Beginn unser Ahnenforschungsreise durch die harte Schule gegangen.

Und dennoch bin ich froh, über die Anfangstage meiner Ahnenforschung. Als noch nichts online verfügbar war, sondern man sich tagelang durch Kirchenbücher lesen musste. Durch die Originale oder Mikrofilme. Ja, mir wurden noch die Originale vorgelegt. Es schärft den Blick, wenn man nicht alles indexiert und durch eine Suchmaschine aufbereitet präsentiert bekommt. Manchmal habe ich heute das Gefühl, dass es bei Neulingen ohne gar nicht mehr geht. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.

Und seitdem?

Seitdem sind über 20 Jahre vergangen, und ich habe viel über meine Familie gelernt und damit auch über mich. Über die Eigenheiten, die so von Generation zu Generation weiter gegeben wurden.

 

„Um meine Zukunft zu entwickeln, muss ich meine Vergangenheit kennen“

 

Warum spreche ich zum Beispiel so, wie ich spreche? Da ist viel mecklenburgischer Einschlag meiner Großeltern drin. Obwohl ich offiziell natürlich weiterhin behaupte, sauberstes Hochdeutsch zu reden.

Auch habe ich über die Ahnenforschung mehr über regionale Geschichte gelernt als in der Schule. Denn ohne geht es nicht. Na gut, es geht schon, aber Informationen ohne Kontext erzählen keine Geschichten. Es sind nur Daten und Fakten. Etwas zu langweilig für meinen Geschmack.

Ich habe von Zweigen in meiner Familie erfahren, von denen ich vorher noch nicht mal gewusst habe, dass sie existieren. Ich habe Interviews mit Familienmitgliedern geführt, die mir voller Inbrunst erstmal sagten „das weiß ich doch nicht mehr“ – nur um dann ins Plaudern zu geraten.

Ich habe Kontakt zu entfernten Verwandten geschlossen. Mütterlicher- wie väterlicherseits. „Nah“ entfernt und richtig weit entfernt. Biologisch wie geographisch. Ich treffe mich zum Beispiel nächste Woche mit dem 3. Cousin meines Vaters, der auf Familienbesuch aus Australien hier in Europa ist.

Ich reise zu Genealogentagen im In- und Ausland, mal als Sprecher, mal als Teilnehmer oder als Repräsentant einer der Vereine, in denen ich Mitglied bin.

Ich habe den deutschsprachigen genchat auf twitter ins Leben gerufen, bei dem wir uns alle 3 Wochen zu Genealogiethemen austauschen.

Und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Was war Euer Schlüssemoment? Gab es einen? Oder war es eher eine Reise?

Wenn Ihr Lust habt, davon zu erzählen, dann macht bei Lars‘ Blogparade mit. Wie das geht, erfahrt Ihr hier: Blogparade Schlüsselmoment Ahnenforschung

Bisher habe ich die folgenden Blogbeiträge dazu gefunden:

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10 Gedanken zu “Schlüsselmomente Ahnenforschung – Wie ging es eigentlich los?

  1. Hallo Lars ,
    Bei einigen deiner Sätze kommt es mir vor ob Du von meinen Anfängen in der Ahnenforschung sprichst , ich erinnere mich , ich muss so zwischen 7-9 gewesen sein , Konfirmation eines meiner Geschwister . Ich war zwischen zwei Tanten geparkt , wie ich es nannte , weil ich dachte , es wird super langweilig , mehr als fehl gedacht , ich war mit dem Virus Ahnenforschung infiziert , es dauerte , aber weitere drei Jahre und meine eigne Konfirmation und ich bekam als Geschenk , die Konfirmation Unterlagen meiner Namebsgeberin und Tante ( Großtante ).Ab dem Zeitpunkt , habe ich alle Urkunden der Familie und Fotos verschlungen und kopiert und meine Sammlung begonnen , die beiden Tanten die mich mit dem Virus infiziert hatten , haben mir ihre Recherche Unterlagen vermacht ,somit war ich abgesehen von meinen eignen Recherchen im Besitz an Dokumenten und Unterlagen .Dann kam die Zeit der Internet Möglichkeiten und ich bin durch Recherche zu Kontakten zu Gleichgesinnten gekommen , zum Teil sogar nahe wie auch entvfernte Verwandtschaft . Dann hatte ich das super Glück an Georg Gaugusch Buch zu gelangen was mich von einigen Fragezeichen befreit hat , aber auch neue geschaffen hat .Es gibt, aber eine Recherche im Moment an der ich mir die Zähne ausbeiße !! Ein alter Erbschein, wo ich nicht die Nachkommen aller beteiligten Personen finde !!Würde gerne meine Sucht vom Hobby zum Beruf machen wollen .

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  2. Hallo Barbara,
    natürlich lese ich mit. 🙂 Vielen Dank für Deinen Beitrag zur Blogparade.
    Der Tipp deines Vaters ist Gold wert, gerade für Anfänger: Schreibe die Namen auf, die du hörst und bringe sie in Verbindung zueinander.
    Wenn man, wie Frau Wollmann schreibt, gerade erst 14 Jahre alt ist, kann das hilfreich und spannend zu gleich sein. 😉
    Zur Ergänzung deiner Lister der bereits erschienen Beiträge hier noch der direkte Verweis auf meine eigene Geschichte: http://archivrecherche-dresden.de/von-der-jagd-nach-geschichten/

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